Das Trampeltier
Camelus bactrianus
Trampeltiere (Camelus bactrianus) sind die Zweihöckrigen Kamele. Sie gehören zu den seltensten Säugetieren der Welt. Wild lebende Populationen finden sich nur noch in der Wüste Gobi in der Mongolei und in China. Weniger als tausend Individuen leben in diesen unwirtlichen Regionen. Das Trampeltier wurde schon vor langer Zeit domestiziert und ist als Haustier in Asien verbreitet.
Trampeltier (Camelus bactrianus).
Zur Frage, ob es sich bei den wildlebenden Trampeltieren in Asien um eine ursprüngliche Wildpopulation handelt oder um wieder verwilderte Abkömmlinge domestizierter Vorfahren, findet man in der Literatur unterschiedliche Angaben.
Es gibt auch die Ansicht, dass das Wildkamel bereits als ausgestorben gelten muss, „trotz gelegentlicher Angaben über Restbestände in freier Wildbahn“ (Herre, 1990).
Eine Schätzung aus den späten siebziger Jahren gibt eine Zahl von 900 Tieren für die Wildpopulation an (Long, 2003).
Systematik des Trampeltiers
Das Trampeltier gehört als Säugetier zur Klasse Mammalia, Ordnung Artiodactyla (Paarhufer), Unterordnung Tylopoda (Schwielensohler), Familie Camelidae (Kamelartige), Gattung Camelus. Art Camelus bactrianus Linnaeus, 1758.
Einen Überblick über alle rezenten Kamelarten finden Sie auf der Seite über die Systematik der Camelidae.
Der Name Camelus ferus bezeichnet ebenfalls das Trampeltier und wird von manchen Autoren statt Camelus bactrianus verwendet, womit dann die domestizierte Form des Trampeltiers benannt wird.
Das Taxon Camelus bactrianus geht auf Linné zurück (1758). Er benannte damit die domestizierten Trampeltiere. Von Przewalski stammt der Name Camelus ferus, der die wildlebenden Trampeltiere im Jahr 1878 so bezeichnete. Man könnte die wildlebenden Trampeltiere auch mit Camelus bactrianus ferus benennen.
Domestizierte und wildlebende Trampeltiere unterscheiden sich genetisch durch drei Basensubstitutionen im untersuchten DNA-Material (Wilson, Reeder, 2005). Genetisch gesehen könnte man also schon von verschiedenen Subspezies sprechen. Eine Theorie besagt, dass die domestizierten und die wildlebenden Trampeltiere von einem gemeinsamen wildlebenden Vorfahren abstammen. Dann wären Camelus bactrianus bactrianus und Camelus bactrianus ferus die beiden Nachfahren und somit verschiedene Taxa.
Trampeltiere und Dromedare lassen sich miteinander kreuzen, die aus dieser Kreuzung hervorgehenden Tiere werden Tulus genannt.
Verbreitung des Trampeltiers
Die wildlebende Population des Trampeltiers bewohnt die kalten hochgelegenen Wüsten Zentralasiens, Chinas und der Mongolei. Das Dromedar hingegen ist in den heißen Wüstenregionen Arabiens, Afrikas und Indien anzutreffen. Zwar überlappt sich das Verbreitungsgebiet der domestizierten Ein- und Zweihöckrigen Kamele, es ist aber nicht klar, ob es sich hierbei um ein Überlappen der natürlichen Lebensräume der beiden Arten handelt oder um ein Artefakt durch menschliche Kultur.
Dromedare und Trampeltiere sind an die Extreme ihrer jeweiligen Lebensräume angepaßt. Durch die Anpassungen an verschiedene Lebensräume gibt es wichtige Unterschiede zwischen Dromedaren und Trampeltieren. Auch zwischen wildlebenden und domestizierten Trampeltieren gibt es Unterschiede.
Die letzten wildlebenden Zweihöckrigen Kamele sind akut vom Aussterben bedroht. Die Weltnaturschutzorganisation
IUCN
(International Union for Conservation of Nature and Natural Resources)
gab 2002 dem Wildkamel den Status Critically Endangered (CR).
IUCN – Camelus bactrianus ferus.
Wild Camel Protection Foundation
Seit 1997 gibt es die Wild Camel Protection Foundation, eine Stiftung, welche die wildlebenden Trampeltiere und ihren Lebensraum schützen möchte. John Hare, der auch ein Buch über seine Reise zu den wilden Kamelen geschrieben hat, hat erreicht, dass Schutzgebiete in China eingerichtet wurden. Die nötigen Gelder für die Schutzprogramme werden über die Stiftung aufgebracht.
Es gibt die Möglichkeit eine Patenschaft für ein Wildkamel zu übernehmen.
Weitere Informationen findet man auf der Website der Wild Camel Protection Foundation von John Hare.
Baktrische Kamel-Nasenlöcher können dicht gemacht werden

Nasenloch eines Trampeltiers.
Die Nasenlöcher des Trampeltiers können verschlossen werden. Dies ist besonders bei Sandstürmen äußerst praktisch, weil dadurch kein Sand und Staub in die Nase hineingeweht werden kann.
Nicht nur das Zweihöckrige Kamel, sondern auch das Dromedar (Camelus dromedarius) verfügt über diese tolle Fähigkeit seine schlitzförmigen Nasenlöcher zu verschließen.
Von beiden Nasenlöchern verläuft eine Furche zur gespaltenen Oberlippe. Flüssigkeit von der Nase wird so zum Mund geleitet und geht nicht verloren.
Erforschungsgeschichte des Trampeltiers (Camelus bactrianus)
Im Jahre 1878 sichtete der russische Forscher Przewalski Wildkamele in der Lop-Nur-Wüste, die sich nördlich von Tibet in Xinjiang (Westchina), östlich der Takla-Makan-Wüste befindet. Die gefundenen Tiere waren etwas kleiner als domestizierte Trampeltiere. Eine spätere genetische Analyse wies sie als Vorfahren der domestizierten Hauskamele aus (Attenborough, 2003).
Trampeltier (Camelus bactrianus).
Domestikation des Trampeltiers
Domestizierte Trampeltiere gab es in Zentralasien seit dem dritten und vierten vorchristlichen Jahrhundert (Nowak, Paradiso, 1983). Die frühesten bekannten Hinweise auf domestizierte Trampeltiere stammen aus der Zeit um 2,500 v. Chr., es gibt domestizierte Trampeltiere also seit etwa 4500 Jahren (Diamond, 2003). Durch den Menschen wurde das Verbreitungsgebiet von Kleinasien auf den Norden Chinas ausgedehnt.
Brehms Tierleben, 1920Obgleich man sagen darf, daß das zahme Trampeltier in seinem Wesen und seinen Eigenschaften mit dem Dromedar übereinstimmt, kann man doch nicht verkennen, daß es gutartiger ist als dieses. Leicht läßt es sich einfangen, willig gehorcht es dem Befehle seines Herrn, ohne sonderliche Umstände und unter leisem Murren oder auch lautem Brüllen legt es sich nieder, und aus freiem Antriebe hält es an, wenn die Last auf seinem Rücken sich verrückt hat. Ein Kamel in des Wortes umfassendster Bedeutung bleibt es aber doch.
Das Trampeltier als Nutztier
Trampeltiere sind auf vielfältige Weise durch den Menschen nutzbar. Sie dienen als Reit-, Last- und Zugtiere. Sie liefern Brennmaterial (Kameldung), Milch und Wolle.
Brehms Tierleben, 1920Aller Mängel ungeachtet muß auch das Trampeltier als eines der nützlichsten Geschöpfe angesehen werden, die der Mensch seinem Dienste unterwarf. Es leistet viel nach jeder Richtung hin und kann durch kein anderes Haustier ersetzt werden. Man nutzt Haar und Milch, Fell und Fleisch, spannt es an den Wagen und verwendet es als Lasttier. Mit ihm durchzieht man die wasserlosen, wüstenhaften Steppen, in denen Pferde ihren Dienst versagen würden; mit ihm erklimmt man Gebirge bis über 4000 m Höhe, in denen nur der Jak noch aushält. Das Pferd ist der Genosse, das Trampeltier der Diener des Steppenbewohners.
Das Trampeltier als Lasttier
Als Lasttiere waren Trampeltiere in den frühen vorchristlichen Jahrhunderten sehr wichtig, um Handelswaren entlang der Seidenstraße zwischen Persien und China zu transportieren.
Allworth, Central Asia, p.129, 1994The camel formed virtually the only means of transportation over long distances before the advent of the railroad, and was thus of great economic importance.
Baktrische Kamele können Lasten von bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts über lange Strecken befördern, 35 bis 40 Kilometer in 24 Stunden, auch auf schwierigem Terrain.
Auch als Reittier sind Trampeltiere beliebt, in den Wüsten Chinas sind sie sogar beliebter, als das Pferd. Sie bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 10 Kilometer pro Stunde fort (Stephens, 2000).
Die Wichtigkeit des Kamels als Transporttier nimmt allerdings immer mehr ab, die Kamele werden zunehmend durch Automobile und Fahrzeuge ersetzt. In Regionen, in denen Benzin und Autos zu teuer sind, ist das Trampeltier allerdings nach wie vor von Bedeutung.
Das Trampeltier als Zugtier
Der Einsatz von Trampeltieren ist nicht auf das Tragen von Lasten beschränkt. Sie werden auch als Zugtiere verwendet, wie das folgende Zitat zeigt:
Brehms Tierleben, 1920In der Kirgisensteppe wird es übrigens nicht ausschließlich als Lasttier, sondern einzeln wie paarweise auch als Zugtier verwendet und tritt auf Flugsandstrecken sogar an Stelle der Postpferde. H. Moser klagt sehr über die Langsamkeit einer solchen Postfahrt und schreibt: „Das Kamel (Trampeltier) geht nur im Schritt; dabei stößt es ein schreckliches Geschrei aus, welches mit der Zeit so nervös macht, daß nur diejenigen sich einen Begriff davon machen können, welche das seltene Glück genossen, von diesem Tiere gefuhrwerkt worden zu sein.“
Kamelwolle vom Trampeltier
Wolle als Kamelprodukt spielt in der Mongolei ein wichtige Rolle, der Trend scheint aber rückläufig zu sein, wie die abnehmende Anzahl von Kamelen in der Mongolei nahelegt. Gab es in der Mongolei 1990 noch 537.500 Kamele, so waren es 322.900 im Jahr 2000. Und schon 2001 waren es nur noch 285.200 Kamele (Sanders, 2003).
Die abnehmende Zahl von Kamelen geht mit einer Abnahme der Menge der Kamelprodukte einher. Zwischen 1988 und 1990 wurden pro Jahr 25.000–30.000 Kamelhäute und 2.500 Tonnen Kamelwolle produziert. 1999 belief sich die Produktion von Kamelwolle auf 1.700 Tonnen.
Wurden zwischen 1990 und 1992 pro Jahr noch 90.000 Decken aus Kamelhaar hergestellt, waren es 2000 nur noch 28.500 Kamelhaardecken.
Das Trampeltier als Milchlieferant
In der Mongolei werden Trampeltiere gemolken und die Milch zu Kumys fermentiert, im Mongolischen airag genannt (Buell, 2003). Die Milch für Kumys stammt normalerweise von Pferden. Kamelmilch ist zweite Wahl, wird aber ebenfalls verwendet. Da die Menge von hergestelltem Kumys von der Größe der Herde abhängt, handelt es sich um ein Prestigegetränk für reiche Mongolen, die über eine entsprechend große Herde verfügen.
Gibt es Käse aus Trampeltier-Milch?
Wird aus der Milch des Trampeltiers Käse hergestellt? Das „Historical Dictionary of Mongolia“ (Sanders, 2003) behauptet es jedenfalls:
Camel meat is not usually eaten, but the milk is made into curds and cheese.
Literatur zum Thema
- John Hare. The wild Bactrian camel - the need for urgent action. Oryx 31(1): 45-48. 1997.