Milch und Käse vom Kamel
Die Nutzung von Kamelmilch gibt es schon lange. Kamelmilch dient in vielen Gemeinschaften in Afrika, dem Nahen Osten und in Zentralasien als Grundnahrungsmittel.
Die Milch wird frisch getrunken, vorher vergoren oder sogar zu alkoholischen Getränken verarbeitet. Auch die Herstellung von Käse und Butter aus Kamelmilch ist möglich.
Milchkamele in Mauretanien. Foto von Nancy Abeiderrahmane.
Kamele sind durch ihre Anpassung an aride Umweltbedingungen anderen Weidetieren, die für die Milchproduktion in Frage kommen, deutlich überlegen. Die weichen Füße schonen die Vegetation und Pfanzen werden nicht vollständig bis zum Boden abgefressen, wie es zum Beispiel bei der Beweidung durch Ziegen der Fall ist.
Durch den motorisierten Transport verlieren Kamele als Lasttiere an Bedeutung. In den Dürreregionen jedoch, in denen die Haltung anderer Tiere für die Milchgewinnung nicht möglich ist, hat das Kamel eine besondere Zukunft. In einigen Ländern, wie der Westsahara, Mauretanien, dem Sudan oder äthiopien, gibt es verstärkte Bemühungen zur Züchtung spezieller Milchdromedare.
Tiviski – eine Molkerei in der Wüste
Das gibt es tatsächlich! Eine Molkerei in der Wüste: Tiviski – A Dairy in the Desert. Das Unternehmen Tiviski in Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, wurde 1989 von Nancy Abeiderrahmane gegründet und stellt einen Weichkäse aus Dromedarmilch her. Der Käse hat den wunderschönen Namen Caravane. Er sieht wie ein französischer Briekäse aus, hat allerdings eine quadratische Form. Geschmacklich handelt es sich aber um eine runde Sache, Caravane besitzt einen Geschmack, der dem von Ziegenkäse ähnlich ist.
Der Käse „Caravane“ wird von der Molkerei Tiviski in Mauretanien hergestellt. Foto von Nancy Abeiderrahmane.
Der Käse ist bisher in Europa fast gar nicht zu bekommen, man berichtet aber von Touristen und Reisenden, die große Mengen dieser Köstlichkeit im Reisegepäck exportieren, um mit diesem Genuss den kulinarischen Horizont ihrer Freunde im Heimatland zu erweitern.
Außer Käse stellt die Molkerei seit 1989 pasteurisierte Dromedarmilch zum Trinken her. Die Milch stammt von den Hirten der Umgebung. Die Kamele werden von Hand gemolken und die gesammelte Milch wird mehrmals täglich von Trucks abgeholt und zur Molkerei gebracht.
Kamelmilch
Von den domestizierten Kamelarten werden nur das Dromedar und das Trampeltier gemolken. Beide Kamelarten geben das ganze Jahr hindurch Milch. Die Kamele der Neuen Welt – Lama und Alpaka – werden nicht gemolken.
Kamelmilch ist sehr reich an Vitamin C. In Halbwüsten- und Wüstenregionen, in denen kein Obst oder Gemüse verfügbar ist, kann man den täglichen Bedarf an Vitamin C durch Kamelmilch decken und das Auftreten von Mangelerscheinungen verhindern. Die Milch darf dabei vor dem Trinken nicht gekocht werden, da das Vitamin C hitzelabil ist und durch hohe Temperaturen zerstört wird. Krankheiten, wie Tuberkulose oder Brucellose, werden in den dünn besiedelten Gegenden der Wüste und Halbwüste selten durch das Trinken roher Kamelmilch übertragen, weil diese Erkrankungen dort beim Kamel kaum vorkommen.
Eine Publikation über Kamelmilch des Kamelforschers Reuven Yagil ist in englischer Sprache online erhältlich:
R. Yagil: Camels and Camel Milk.
Die Herstellung von Käse aus Kamelmilch
Kamelmilch unterscheidet sich von der Milch anderer Milchtiere unter anderem dadurch, dass sie nicht gerinnt. Der erste Schritt in der Herstellung von Käse besteht darin, dass die Milch zur Gerinnung gebracht wird. Mit dem Problem der Käseherstellung aus Kamelmilch haben sich die FAO und der französische Professor J.-P. Ramet beschäftigt. Die Publikationen sind in englischer und französischer Sprache online erhältlich:
J.-P. Ramet: La technologie des fromages au lait de dromadaire
J.-P. Ramet: The technology of making cheese from camel milk.
Literatur zum Thema
- Ucko, Dimbleby, The domestication and exploitation of plants and animals, 1969.
- Siegfried Legel, Nutztiere der Tropen und Subtropen, Band II, Leipzig, 1990.