Das Lama

Lama glama

Das Lama (Lama glama) ist eine der beiden domestizierten Kamelarten der Neuen Welt. Die wilde Stammart ist wahrscheinlich das Guanako (Lama guanicoe). Das Lama wurde schon von den präkolumbianischen Kulturen als Lasttier eingesetzt.

Eine Lama-Familie mit Jungtier.

Eine Lama-Familie mit Jungtier. Foto von Re de Belleroche.

Lama glama

Das domestizierte Lama (Lama glama). Foto von Thomas Döbel.

Das Lama ist die größte Art der Kamele der Neuen Welt. Ein Lama wiegt 110-250 kg.

Erste Spuren der Domestikation von Lamas tauchen um 3,500 v. Chr. in den Anden auf (Diamond, 2005). Heute ist das Lama vom Süden Perus bis in den Nordwesten Argentiniens verbreitet.

Nach äußeren Merkmalen unterscheidet man verschiedene Typen von Lamas: Die Tampuli-Lamas haben einen wolligen Hals und können deswegen nicht so gut als Packtiere eingesetzt werden. Sie lassen sich weiter unterteilen in Lanuda (Kopf und Ohren wollig, wollige Beine) und Tapada. Ferner gibt es Ccara (Kurzhaarlama) und Curaca.

Diese äußeren Merkmale können sich überlappen, es handelt sich bei den Typen nicht um echte Rassen.

Von Camelziegen und Schafkamelen

Camelziege (Camelus Glama) aus „Der Grüne Baum“, Breslau 1828-30.

Die Camelziege (Camelus Glama). Das Bild ist eine kolorierte Farblithographie aus „Der Grüne Baum“, Breslau 1828-30.

In alten Lexika und Zoologiebüchern taucht das Lama auch als Schafkamel oder Kamelschaf auf. Als Bezeichnung für die Gattung der Lamas wurde früher auch der Name Auchenia („Nackentier“) verwendet. Der Name Auchenia stammt von Karl Illiger (1811) und ist ein Synonym für die Gattung Lama. Diese stammt aus dem Jahr 1800 und wurde von Georges Cuvier (1769–1832) eingeführt.

In der Nomenklatur hat immer die ältere Bezeichnung Vorrang. Außerdem soll der Name Auchenia bereits früher für eine Käfergattung vergeben worden sein.

Das Zoologiebuch von Keller aus dem Jahr 1887 berichtet von den Schafkamelen, wobei hier alle Auchenia-Arten gemeint sind:

In den Hochebenen des westlichen Südamerika wohnen die Schafkamele (Auchenia), welche durch ihr Fleisch, durch die Milch und die Wolle nutzbar sind. Die Ohren sind lang und spitz, der lange Hals wird aufrecht getragen. Die Beine sind lang, der Schwanz kurz. Sie verteidigen sich in origineller Weise, indem sie dem Angreifer das halbverdaute Futter ins Gesicht spucken. Jung werden sie leicht gezähmt.
Das Lama (Auchenia lama), ferner Auchenia Alpaco und Auchenia vigugna.

Keller, Grundlehren der Zoologie, 1887
Auchenia, das Schafkamel, aus dem Zoologiebuch von Keller (1887).

Fig. 529: Schafkamel oder Lama. Aus aus dem Zoologiebuch von Keller, 1887.

Der Vergleich der Lamas mit Schafen und Ziegen geht auf die Zeit der Eroberung durch die Spanier zurück, die Conquista. Die Eroberer erblickten die für sie bis dahin unbekannten Tiere und verglichen sie mit denen, die ihnen aus ihrer Heimat bekannt waren. Das waren eben Schafe und Ziegen.

Durch die Verwendung unterschiedlicher Tiernamen durch die Chronisten der Spanier kann es schwer bis unmöglich sein zu erkennen, was tatsächlich für ein Tier gemeint sein soll. Das bezieht sich nicht nur auf Lamas, sondern betrifft auch andere Arten, die der Chronist gesehen oder von denen er auf seinen Reisen vielleicht nur gehört hat.

Ein Beispiel findet man bei Johann Jakob von Tschudi, der ebenfalls am Rätseln ist, von welchen Tieren in so manchem Bericht die Rede ist:

Es ist erstaunlich, wie viele der absurdesten Mährchen von den zahlreichen Expeditionen zur Aufsuchung des überschwenglich reichen Dorado verbreitet wurden. Zarate erzählt z. B., dass der Capitain Juan Perez de Guevara am Marañon Kenntniss von einem grossen Lande, welches westlich vom Gebirge liege, erhalten habe, in dem es Kamele gebe und auch Schafe, die viel kleiner als die von Perú seien.

Unter den Kamelen sind offenbar die Lamas verstanden; was aber mit den Schafen, die kleiner als die peruanischen sein sollen, gemeint sei, ist mir ganz unklar. Aus so vagen Berichten lassen sich keine sicheren Schlüsse ziehen.

Johann Jakob von Tschudi, Das Lama, 1885

Lamas sind keine Reittiere

Ein Lama eignet sich nicht als Reittier. Johann Jakob von Tschudi sieht das auch so:

Es ist viel davon gefaselt und auch gläubig hingenommen worden, dass das Lama auch als Reitthier benutzt worden sei. Bei den Indianern war dies nie der Fall. Die Erzählung in dem Berichte Philipp von Hutten’s, Zug nach dem oberen Orinocco, von einer Omagua-Cavallerie auf Lamas ist durchaus erfunden. Dem Diego de Ordaz wurde am Rio Meta von den Eingeborenen von einem mächtigen einäugigen Fürsten und von Thieren kleiner als Hirsche, auf denen man reiten könne, wie die Spanier auf Pferden, und die auf den Hochebenen von Neu-Granada vorkommen sollen, berichtet, — Angaben, die ebenfalls in den Bereich der Fabel gehören.

Augustin de Zarate erzählt, dass die Spanier während des Feldzuges des Diego de Almagro nach Chile auf Lamas geritten seien, welche eigentlich dazu bestimmt waren, die Wasservorräthe für die Truppen zu tragen, und dass sie auf diese Weise 4–5 Leguas pro Tag zurückgelegt hätten.

Als Reitthiere sind die Lamas ungeeignet, weil zu schwach. Die brutale spanische Soldateska hat sich stets durch Rohheit gegen Menschen und Thiere ausgezeichnet und hat viele Tausende von Lamas durch Ueberanstrengung umgebracht.

Ein ergötzliches Geschichtchen erzählt Cieza de Leon. Als nehmlich die Indianer von Otowallo in der Nähe von Quito ihren Feinden, den Karanki-Indianern, einen grossen Schatz, den sie besassen, rauben wollten und wussten, dass diese vor den berittenen Spaniern eine grosse Furcht zeigten, bildeten sie aus starken Lamas und einer Anzahl Indianern eine Cavallerie ad hoc. Durch diese List soll es ihnen gelungen sein, sich des Schatzes der Karankis zu bemächtigen. Die Verantwortlichkeit für diese Erzählung bleibt dem genannten Gewährsmanne. Immerhin geht daraus hervor, dass die Indianer, erst nachdem sie berittene Spanier gesehen hatten, auf den Gedanken kamen, sich des Lamas als Reitthier zu bedienen, — wohl ein Beweis, dass es früher nie geschah.

Diese Art der Benutzung des Lamas hat auch später nicht mehr stattgefunden und verursacht höchstens noch hin und wieder einmal einem Indianerbuben ein Vergnügen. Ich füge nur noch bei, dass sich die Lamas gegen derartige Versuche in der Regel sehr renitent zeigen.

Johann Jakob von Tschudi, Das Lama, 1885

Das „Camma“ – Kreuzung aus Lama und Kamel

Kamele der Neuen Welt lassen sich mit Kamelen der Alten Welt kreuzen. Mcdonald (2004) erwähnt einen erfolgreichen Kreuzungsversuch zwischen Kamel und Lama in Dubai, aus dem ein sogenanntes Camma entstanden sei. Eine solche Kreuzung demonstriert die nahe Verwandtschaft der Kamelformen der Alten Welt mit den Kamelen der Neuen Welt. Der Name Lamedar hätte mir auch sehr gut gefallen.

Diese Kreuzung zwischen Dromedar (Hengst) und Lama (Stute) wurde 1998 im Dubai Camel Reproduction Centre durch künstliche Befruchtung erreicht (Puschmann 2004).

Ressourcen

Literatur zum Thema