Das Guanako

Lama guanicoe

Das Guanako (Lama guanicoe) ist eine der beiden wildlebenden Kamelformen der Neuen Welt und nach Ansicht vieler Zoologen die wilde Stammart des domestizierten Lamas (Lama glama). Einigen Theorien zufolge ist das Guanako ebenfalls die Stammart des Alpakas.

Das Huanako (Guanako), A. huanäco, H. Sm. Dem Lama, welches nur zahm vorkommt, sehr ähnlich, aber etwas kleiner und immer gleichmäßig gefärbt, nämlich obenher schwärzlich, an den Seiten schmutzig-rotbräunlich, an Brust und Bauch weißlich. Weidet wild in kleinen Herden vom Feuerland auf den Gebirgen des westlichen Südamerika bis in den Norden Perus, am liebsten an Orten, wo weder Busch noch Baum zu sehen ist; es hat ein treffliches Fleisch, feine Wolle und wird von den dort wohnenden Leuten gern erlegt. Alt gewöhnt es sich gar nicht an den Menschen, ganz jung aufgezogen zeigt es sich anfänglich zahm, wird aber später scheu, tückisch, denkt an Flucht, hat einen Widerwillen gegen die Lamas. — Manche halten es für die wilde Form des Lama.

Lenz, Gemeinnützige Naturgeschichte, 1884
Guanakos im Norden von Chile

Guanakos im Norden von Chile. Foto von Regina Ludwig.

Verbreitungsgebiet

Verbreitung des Guanakos (Lama guanicoe)

Verbreitung des Guanakos (Lama guanicoe).

Das Verbreitungsgebiet der Guanakos ist viel größer als das der Vikunjas. Guanakos findet man von Peru bis nach Feuerland, (Tierra del Fuego).

Heute gibt es Guanakos in folgenden Ländern: Argentienien, Bolivien, Chile, Paraguay, Peru.

Während die Vikunjas auf Gebiete in großer Höhe beschränkt sind, kommen die Guanakos auch in tiefer liegenden Regionen vor, bis hinab auf Meeresniveau.

Status der Population

Seit der Conquista nahm die Größe der Guanakopopulation ab. Die Tiere wurden durch Jagd fast ausgerottet. Das Guanako ist heute immer noch eine bedrohte Art.

CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) listet das Guanako in Appendix II auf. Der Handel mit Tieren und Pflanzen, die in Appendix I aufgeführt werden, ist verboten. Die Arten aus Appendix II dürfen unter besonderen Umständen gehandelt werden: Man benötigt Ein- und Ausfuhrgenehmigungen und muss die Unschädlichkeit für den Bestand nachweisen.
CITES – Appendices I, II, III

Das Guanako taucht auf der Roten Liste der weltweit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der IUCN auf. Diese Liste wird alle zwei Jahre von der Weltnaturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) veröffentlicht.
IUCN – Lama guanicoe

Lebensweise

Die Guanakos leben in Familiengruppen. Eine solche Gruppe setzt sich zusammen aus einem erwachsenen männlichen Tier, einer Anzahl weiblicher Tiere (4–18) und den Jungtieren bis zu einem Alter von etwas 15 Monaten.

Die Guanako-Gruppen leben territorial. Ein Gebiet wird vom Hengst über das ganze Jahr hinweg verteidigt und die Grenze wird mit Dunghaufen markiert.

Die Lebensweise und das Verhalten der Guanakos spielen eine wichtige Rolle, wenn man die Geschichte der Domestikation der Lamas betrachtet. Einige Verhaltensweisen der Guanakos sind nicht mit den Zielen der Tierzüchter kompatibel.

Eine Gruppe Guanakos in Nordchile

Eine Gruppe von Guanakos in Nordchile. Foto von Regina Ludwig.

Die Sterbeplätze der Guanakos

Ähnlich den Elefanten, die zum Sterben sogenannte Elefantenfriedhöfe aufsuchen, wird auch bei Guanakos von Sterbestellen berichtet, zu denen sich die Tiere am Ende ihres Lebens auf die Reise machen. Ein berühmter solcher Bericht geht auf Charles Darwin zurück:

Verwundete Guanacos laufen, wie Darwin beobachtete, unabänderlich den Flüssen zu, um an deren Ufern zu verenden. Aber auch unverletzte scheinen, wenn sie sich krank und dem Tode nahe fühlen, besondere Plätze aufzusuchen, um dort zu sterben. „An den Ufern des Santa Cruz“, bemerkt der eben erwähnte Forscher noch, „war der Boden ganz weiß von Knochen, die auf gewissen, begrenzten, gewöhnlich bebuschten Plätzen in der Nähe des Flusses lagen. Ich untersuchte die Knoche genau: Sie waren nicht, wie einige andere zerstreute, die ich gesehen hatte, angenagt oder zerbrochen, als wenn sie von Raubtieren zusammengeschleppt worden wären. Die Tiere müssen vor ihrem Sterben unter und zwischen die Gebüsche gekrochen sein.“

Brehms Tierleben, 1920

Zoologische Systematik des Guanakos

Das Guanako gehört zur Klasse Mammalia (Säugetiere), Ordnung Artiodactyla (Paarhufer), Unterordnung Tylopoda (Schwielensohler), Gattung Lama. Art: Lama guanicoe (Müller 1776).
Zoologische Systematik der Camelidae

Subspecies

Es gibt vier Subspecies:

Ist das Guanako die wilde Stammart von Lama und Alpaka?

Es gibt mehrere Theorien über die Verwandtschaftverhältnisse der Kamele der Neuen Welt. Einer Theorie zufolge ist das Guanako Stammart sowohl des domestizierten Lamas als auch des Alpakas (Herre, 1990). Das Guanako scheint als Stammart des Lamas akzeptiert zu sein. Ob als Stammart des Alpakas das Guanako, das Vikunja oder beide anzusehen sind, ist unklar. Die Ergebnisse von Untersuchungen von DNA-Material wurden dahingehend interpretiert, dass das Vikunja möglicherweise die Stammart des Alpakas ist oder dass das Alpaka von Guanako und Vikunja abstammt (Wilson und Reeder, 2005).

Es gibt noch viele offene Fragen, welche die Evolution der Kamele und die Entstehung der Haustierarten betreffen. Eine endgültige Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse der Neuweltkameliden hätte dann auch Folgen für die Nomenklatur.

Guanakojagd

Guanakojagd. Abbildung aus Hellwald „Die Erde und ihre Völker“ (1877).

Ressourcen

Literatur zum Thema