Evolution und Stammbaum der Kamele

Von den Riesenkamelen und anderen Seitenzweigen

Die Stammesgeschichte der Kamele weist noch viele Fragen auf. Die Säugetierordnung der Tylopoda (Schwielensohler), eine Unterordnung der Artiodactyla (Paarhufer), war im Tertiär durch viele Arten vertreten. Überlebt haben nur einige Arten der Familie der Camelidae (Kamelartige) in zwei Linien: Die Kamele der Neuen Welt oder Neuweltkameliden mit der Gattung Lama und die Kamele der Alten Welt mit der Gattung Camelus. In Nordamerika, wo ihre Entwicklung begonnen hatte, sind die Kamele ausgestorben.

Der Stammbaum der Camelidae

Die Evolution der Camelidae in einem Stammbaum darzustellen nicht einfach. Viele der ausgestorbenen Arten sind in der Literatur unter verschiedenen Namen bekannt.

Ein möglicher Stammbaum der Kamele.

Ein möglicher Stammbaum der Kamele. Nach einem Kladogramm von Jessica A. Harrison (1985).

Die stammesgeschichtliche Entwicklung der Kamele

Die Stammesgeschichte der Tylopoda (Schwielensohler) läßt sich im Tertiär ab dem Eozän verfolgen. Im Obereozän entstanden in Nordamerika zahlreiche Arten. Die ersten Vorfahren der Kamele waren kaum hasengroß und hatten vier Zehen an jedem Fuß.

Poëbrotherium lebte während des Oligozäns vor ca. 35 Millionen Jahren in Nordamerika und war zwar schon etwas kamelartiger, aber immer noch kleiner als ein Schaf. Außerdem hatte es noch 44 Zähne. Von den vier Zehen seiner Vorfahren waren nur noch zwei vorhanden, die Zehen II und IV waren verschwunden.

Während des Miozäns und des Pliozäns, vor ca. 24 bis 3 Millionen Jahren, nahm die Körpergröße zu. Es entwickelte sich der typische gespreizte Kamelfuß und weitere Spezialisierungen des Skelets wurden sichtbar. In dieser Zeitspanne erschienen auch viele Seitenzweige der Kamelevolution: Es gab das gazellenartige Stenomylus und das Giraffenkamel Oxydactylus.

Am Ende des Tertiärs wanderten einige Gruppen in andere Erdteile aus.

In Südamerika entwickelte sich die Gattung Lama, die Kamele der Neuen Welt: die wildlebenden Vikunjas und Guanakos und die Haustierformen Lama und Alpaka.

Aus den Tieren, die im Pleistozän über die Behringlandbrücke nach Asien gelangten, entwickelte sich die Gattung Camelus, die Kamele der Alten Welt.

Erstaunlicherweise sind die Tylopoda in Nordamerika, wo ihre Entwicklung ihren Anfang genommen hatte, mit Beginn des Holozäns vor etwa 13.500–10.000 Jahren ausgestorben. Der letzte Vertreter war Camelops, das Westliche Kamel.

Die Riesenkamele

In der Evolution der Kamele entwickelten sich mehrere Arten, die durch ihre besondere Größe auffielen: Riesenkamele. Die Namen, welche die Forscher diesen Arten gaben, lassen das erahnen. Sie heißen zum Beispiel Titanotylopus, Megatylopus oder Gigantocamelus. Auch Camelops war mit einer Schulterhöhe von etwa zwei Metern ein Riesenkamel. Die heute lebenden Vertreter der Gattung Camelus, das Dromedar und das Trampeltier, haben ebenfalls eine beeindruckende Größe.

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Literatur zum Thema