Das Alpaka

Lama pacos

Das Alpaka (Lama pacos) ist eine domestizierte Kamelform der Neuen Welt, ein Lama. Das Alpaka ist vor allem in den südamerikanischen Anden verbreitet und wird hauptsächlich wegen seiner Wolle gezüchtet. Es gibt zwei Alpaka-Rassen: Huacaya und Suri. Über die wilde Stammform des Alpakas, ob Guanako oder Vikunja, gibt es verschiedene Theorien.

Alpaka, hinter einem Baum versteckt

Ein Alpaka, hinter einem Baum versteckt. Foto von York von Schönfels.

Die Heimat der Alpakas sind die zentralen und südlichen Anden

Die Heimat der Alpakas ist das Hochland der Anden. Es gibt sie in Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Ecuador.

Alpakas und ein Lama in Peru.

Alpakas und ein Lama in Peru. Foto von Thomas Döbel.

Der Anblick der Puna ist ungemein einförmig und traurig; die ganze Oberfläche ist mit magern braungelben Gräsern bedeckt, die ihr ein herbstliches, fast winterliches Aussehen verleihen, das nie durch erfrischendes Grün belebt wird.

Johann Jakob von Tschudi, Peru - Reiseskizzen aus den Jahren 1838–1842, Band II, St. Gallen 1846.

Das Alpaka wird auf „Wolle“ gezüchtet

Das Alpaka gehört zu den glücklichen Säugetieren, die vom Menschen nicht primär gezüchtet werden, um aufgegessen zu werden, sondern um Wolle zu liefern. Manche Züchter sprechen lieber von „Fasern“. Es gibt auch mehrere Fachwörter, welche bestimmte Eigenschaften der Fasern bezeichnen. Im allgemeinen Sprachgebrauch und vielen Zoologie-Büchern wird aber das Wort „Wolle“ verwendet. Jedem ist sowieso klar, was gemeint ist. Früheste Hinweise auf domestizierte Alpakas in den Anden stammen aus der Zeit um 3,500 v. Chr. (Diamond, 2005).

Berichte von Johann Jakob von Tschudi

Schilderungen von Alpakas und Lamas in Peru, die im 19. Jahrhundert in vielen Büchern zitiert wurden, gehen auf Johann Jakob von Tschudi (1818–1889) zurück, der im Alter von zwanzig Jahren nach Peru reiste. Von 1838 bis 1843 erkundete er das Land und die peruanische Tierwelt. Seine Reiseerfahrungen veröffentlichte in den Büchern „Reiseskizzen aus Peru“, die Tierwelt Perus beschrieb er umfassend in seiner „Fauna Peruana“ – ein fabelhaft illustriertes Buch, das sehr schwer zu bekommen ist.

Die Widerspenstigkeit dieser Thiere gränzt an’s Unglaublichste; wenn eines von der Heerde getrennt wird, wirft es sich auf die Erde und ist durch kein Mittel zum freiwilligen Aufstehen zu bewegen, und erleidet lieber den qualvollsten Tod, als dass es folgen würde. Einzelne Paco’s kann man nur dann transportiren, wenn man sie grösseren Heerden von Llama’s beigesellt; so wie sie aber von denselben abgesondert werden, verweigern sie die Folgsamkeit und nehmen auch keine Nahrung zu sich. Wenigen Thieren scheint die Gesellschaft so sehr zum Bedürfnisse zu sein, wie ihnen. Nur wenn sie von frühester Jugend an in den Indianerhütten aufgezogen werden, gewöhnen sie sich an den Menschen und an das Alleinsein.

Johann Jakob von Tschudi, Fauna Peruana, 1844–1846
Machu Picchu in Peru.

Machu Picchu in Peru. Foto von Thomas Döbel.

Zoologische Systematik des Alpakas

Das Alpaka gehört als Säugetier zur Klasse Mammalia, Ordnung Artiodactyla (Paarhufer), Unterordnung Tylopoda (Schwielensohler), Familie Camelidae (Kamelartige). Art: Lama pacos, in der neuen Nomenklatur heißt die Art jetzt Vicugna pacos. In alten Texten findet sich auch der Name Auchenia pacos oder Auchenia Paco. Systematik der Camelidae

Wilde Stammart: Guanako oder Vikunja oder beide?

Ein flauschiges Alpaka

Ein flauschiges Alpaka.

Über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Kamele der Neuen Welt gibt es verschiedene Meinungen und Theorien.

Eine Theorie besagt, dass das Guanako (Lama guanicoe) die wilde Stammform der beiden domestizierten Neuweltkamele ist: Lama und Alpaka.

Eine zweite Theorie vertritt die Auffassung, dass nur das domestizierte Lama vom Guanako abstammt. Die wilde Stammart des Alpakas ist dieser Theorie zufolge das Vikunja (Lama vicugna).

Eine dritte Theorie sagt aus, dass das Guanako zwar Vorläufer des domestizierten Lamas ist, das Alpaka stamme aber von zwei Arten, Guanako und Vikunja, ab. Dieses bezeichnet man im Englischen als biphyletic origin. Man kann in dieser Theorie noch weiter aussagen, ob das Alpaka mehr vom Guanako oder mehr vom Vikunja abstammt.

In der neuesten Nomenklatur trägt das Alpaka inzwischen den Namen Vicugna pacos. Ich habe auf diesen Seiten noch den alten Namen beibehalten, es gibt ohnehin kein anderes Tier, das diesen Namen trägt, so daß die Gefahr einer Verwechselung bestünde.

Marshall schreibt vor etwa 100 Jahren in „Die Tiere der Erde“ auch einen Absatz über das Alpaka. Schon damals gab es offenbar unterschiedliche Ansichten über die wilde Stammart:

Das meist dunkelbraune oder schwarze Alpaka (Auchenia Paco) soll nach der Meinung einiger Zoologen auch ein domestiziertes Guanaco, nach der anderer aber ein Vicuña sein. Es lebt in zahmem oder halbzahmem Zustande in großen Herden in den Anden des südlichen Peru und nördlichen Bolivia jahraus jahrein in Höhen von 4000 bis 5000 Metern. Es wird nicht als Lasttier, sondern nur seiner Wolle wegen gehalten und jährlich einmal geschoren, was übrigens bei dem wilden, obstinaten Charakter dieser Tiere, die sich nur sehr bedingt als Haustiere fühlen, keine leichte Aufgabe sein mag!

Marshall, Die Tiere der Erde (in 3 Bänden)

Die Zähne der Alpakas wachsen nach

Nachwachsende Zähne sind sicherlich ein Alptraum für jeden Zahnarzt. Das Nachwachsen der Zähne ist bei den Vikunjas und den Alpakas bekannt.

Die Alpakas und Vikunjas leben in den Anden von stark abrasiver Nahrung, die sehr reich an Silikaten ist. Die Zähne werden beim Fressen ständig abgeschliffen. Das Nachwachsen der Zähne ist unter solchen Bedingungen eine sinnvolle und nützliche Eigenschaft.

In der Zucht kann es vorkommen, dass die Zähne schneller wachsen, weil das Abschleifen von Zahnmaterial nicht schnell genug erfolgt. Das Gras in Europa ist beispielsweise weniger abrasiv als das Puna-Gras des Altiplano. Die zu lang gewachsenen Zähne müssen dann von Menschen gekürzt oder abgeschliffen werden.

Spucken Alpakas wirklich?

Ja, das tun sie tatsächlich. Normalerweise spucken die Tiere nur untereinander, um in der Herde die Rangordnung klarzustellen. Tiere, die mit der Flasche aufgezogen werden und dabei in ständigem engen Kontakt mit Menschen aufwachsen, können auch Menschen anspucken.

Ein gutes Anzeichen für ein bevorstehendes Spucken ist die Position der Ohren. Wenn das Alpaka die Ohren zurücklegt und vielleicht dabei besonders unglücklich schaut, sollte man in Deckung gehen. Die Tiere sind sehr treffsicher.

Schliesslich müssen wir noch einer sonderbaren, allen Species dieser Gattung zukommenden, Eigenschaft Erwähnung thun; es ist nämlich die des Auswerfens von Geifer oder von halb verdautem Futter. Gereizt oder auch ohne Veranlassung speien sie den Mageninhalt nach ihren Umgebungen; besonders heftig thun es die Vicuña’s, welche denselben auf mehrere Schritte hin werfen; diese breiige Kräutermasse riecht ausserordentlich unangenehm und färbt die Haut stark grün. Speien diese Thiere längere Zeit nach dem Fressen, so dass das Futter schon grösstentheils verdaut ist, so ist der Auswurf hellbraun oder grau, auch ganz klar und riecht sehr sauer.

Wir haben niemals beobachtet, dass sich die Vicuña’s oder Llama’s gegenseitig bespucken, sondern immer nur andere Thiere, besonders aber Menschen und Hunde. Die Kultur scheint bei den Llama’s diese Gewohnheit bedeutend vermindert zu haben, denn sie lassen sich ganz ruhig bepacken ohne zu speien, während die Paco’s und Vicuña’s schon beim harmlosen Vorbeigehen Freund und Feind mit reichlichen Ladungen überschütten, was doppelt unangenehm ist, da sie meistens nach dem Gesichte zielen und selten fehlen.

Diese Fähigkeit, verbunden mit der Geschicklichkeit im Ausschlagen, der Stärke des Stossens mit dem Kopfe, der Schärfe der Eckzähne und der Schnelligkeit des Laufes, gibt diesen Thieren sehr vortheilhafte Vertheidigungswaffen, so dass sie nicht als so wehrlos betrachtet werden dürfen, wie man bei dem ersten Anblicke wohl glauben möchte.

Johann Jakob von Tschudi, Fauna Peruana, 1844–1846

Ein Blick auf die Füße: Paarhufer und Schwielensohler

Füße eines Alpakas. Zwei Nägel, keine Hufe.

Alpaka-Füße haben zwei Nägel, keine Hufe.

Das Alpaka ist ein Paarhufer, sogar ein Schwielensohler. Deshalb wollen wir an dieser Stelle einen Blick auf seine Füße werfen.

Jeder Fuß hat nur zwei Zehen (Paarhufer), der dritte und vierte (Nowak, Paradiso, 1983). Das Alpaka hat keine Hufe, dafür aber Nägel an der Vorderseite der Zehen.

Die Zehen werden gespreizt aufgesetzt, was die Querstabilität verbessert. Dem Alpaka fehlt ein Ligamentum interdigitale.

Die Sohlenballen sind zu kissenartigen Schwielen verbreitert (Schwielensohler).

Das geheimnisvolle Lapuma

Das Lapuma ist ein Mischwesen, zur einen Hälfte Lama zur anderen Puma. Es wird auch von einem „mythischen Tag-Nacht-Tier“ gesprochen. Das Lama ist tagaktiv und der Puma ist nachtaktiv. Wickler und Seibt schreiben in ihrem Buch „Kalenderwurm und Perlenpost, Biologen entschlüsseln ungeschriebene Botschaften“, dass Lapumas in vielen Altamerika-Sammlungen in Gestalt von Artefakten zu sehen sind. Der Argumentation der beiden Autoren zufolge handelt es sich bei einem Lapuma manchmal um ein Alpaka.

Ich habe das Museum für Völkerkunde in München besucht. Dort gibt es eine Abteilung für Artefakte aus Südamerika. Ich habe einige Darstellungen von Lamas und Alpakas gesehen, aber ein Lapuma habe ich leider nicht entdeckt.

Alpakas (Lama pacos) sind besonders hübsche Tiere.

Alpakas sind besonders hübsche Tiere. Foto von York von Schönfels.

Ressourcen

Literatur zum Thema